Recruiting
Wie finde ich Auszubildende über Social Media?
Früher lagen im Herbst die Bewerbungsmappen auf dem Tisch, heute bleibt die Lehrstelle bis in den Sommer offen. Die Schulabgänger sind da, sie kennen deinen Betrieb nur nicht. Und in der Zeitung oder am Schwarzen Brett suchen sie nicht.
Kurz gesagt
Auszubildende findest du über Social Media, wenn du zwei Gruppen ansprichst: die Jugendlichen selbst mit kurzen, ehrlichen Videos auf Instagram und TikTok und ihre Eltern über Facebook. Lass am besten deine jetzigen Azubis zeigen, wie ein Tag bei dir aussieht, und mach den ersten Schritt winzig: ein paar Fragen am Handy oder ein Praktikum statt einer Bewerbungsmappe. Fang früh an, denn viele entscheiden sich lange vor dem Schulabschluss.
Warum kommen keine Bewerbungen mehr von selbst?
Ein Sechzehnjähriger weiß oft gar nicht, dass es deinen Beruf gibt, geschweige denn deinen Betrieb. Er kennt, was er im Handy sieht und was Freunde und Familie erzählen. Eine Anzeige mit dem Titel „Ausbildung zum Anlagenmechaniker (m/w/d)“ sagt ihm nichts. Dazu kommt die Hürde: Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse sind für jemanden, der noch nie eine Bewerbung geschrieben hat, ein Grund, es zu verschieben. Wer es ihm leichter macht, bekommt die Bewerbung.
Welche Plattform passt für wen?
Die Entscheidung für eine Ausbildung fällt selten allein. Eltern reden mit, manchmal entscheiden sie mit. Deshalb lohnt es sich, beide anzusprechen, mit unterschiedlichen Inhalten.
- Instagram und TikTok: kurze Hochkant-Videos für die Jugendlichen selbst
- Facebook: erreicht Eltern, Großeltern und Bekannte, die den Tipp weitergeben
- Google: Eltern und Schüler suchen nach „Ausbildung“ plus Ort, hier hilft eine eigene Ausbildungsseite auf deiner Website
- Der eigene Kanal deines Betriebs: Hier sehen sich Interessenten um, bevor sie sich melden
Was wollen Jugendliche sehen und was ihre Eltern?
Jugendliche wollen wissen, ob sie dort hinpassen. Das beantwortet am besten jemand in ihrem Alter. Lass deine Azubis die Werkstatt zeigen, ein Werkstück erklären oder erzählen, was sie am ersten Tag überrascht hat. Das darf wackeln und muss nicht perfekt sein. Eltern haben andere Fragen: Ist der Betrieb solide, kümmert sich jemand, wird übernommen?
- Für Jugendliche: echter Arbeitsalltag, Kollegen, Werkzeug und Maschinen, Vergütung, Arbeitszeiten
- Für Jugendliche: was man nach der Lehre kann und verdienen kann
- Für Eltern: fester Ansprechpartner, Übernahmechancen, Erreichbarkeit mit Bus oder Rad
- Für beide: ein Gesicht, also Ausbilder oder Chef mit Namen
Wie sollte der erste Schritt aussehen?
Klein. Frag am Handy nur das Nötigste ab: Name, Alter, Schulabschluss und voraussichtliches Ende der Schulzeit, Wunschberuf, Telefonnummer. Das dauert zwei Minuten. Noch besser funktioniert oft ein Angebot ohne Verpflichtung, etwa ein Schnuppertag oder ein Praktikum in den Ferien. Danach rufst du an, bei Minderjährigen am besten mit den Eltern im Boot. Zeugnisse kannst du dir zum Kennenlernen mitbringen lassen.
Wann solltest du anfangen?
Früher, als die meisten denken. Viele Schüler suchen ihren Ausbildungsplatz schon im Jahr vor dem Abschluss, manche erst wenige Wochen vor Ausbildungsbeginn. Sinnvoll ist deshalb kein einmaliger Aufruf, sondern Sichtbarkeit über das ganze Jahr mit stärkeren Phasen nach den Halbjahreszeugnissen und vor den Sommerferien. Regelmäßige Einblicke aus dem Betrieb sorgen dafür, dass dein Name schon bekannt ist, wenn die Entscheidung ansteht.
Was ist bei Werbung für Minderjährige zu beachten?
Die Plattformen schränken ein, wie genau sich Werbung auf Minderjährige ausrichten lässt, und diese Regeln ändern sich immer wieder. Auch beim Datenschutz gelten für Jugendliche besondere Maßstäbe, etwa bei der Einwilligung. Frag deshalb nur Daten ab, die du wirklich brauchst, und hol für Fotos und Videos deiner Azubis eine schriftliche Einwilligung ein, bei unter Achtzehnjährigen auch von den Eltern. Das ist keine Rechtsberatung. Lass die Details von deinem Datenschutzbeauftragten oder einem Anwalt prüfen.
Wann bringt Social Media für die Azubisuche wenig?
Wenn niemand im Betrieb Zeit für Azubis hat, hilft auch die beste Kampagne nicht, denn Abbrecher erzählen es weiter. Wenig Sinn ergibt es außerdem, wenn dein Standort für Jugendliche ohne Führerschein kaum erreichbar ist und du dafür keine Lösung anbietest. Und wer nur einmal im Mai einen Aufruf postet, wird enttäuscht sein. Azubi-Gewinnung braucht einen längeren Atem als die Suche nach einer Fachkraft.
Aus der Praxis · MAM-Bau, Ibbenbüren
Ehrlich vorweg: Dieses Beispiel betrifft Fachkräfte, nicht speziell Auszubildende. Das Tiefbauunternehmen aus Ibbenbüren gewinnt seit fünf Jahren Bewerber über Facebook und Instagram, vom Tiefbaufacharbeiter bis zum Bauleiter, begleitet von Videos von Baustellen und Team. Es zeigt, dass der Weg über Social Media auch in einer Branche trägt, die als schwer vermittelbar gilt.
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Jetzt anfragenHäufige Fragen
Muss mein Betrieb dafür auf TikTok aktiv sein?▾
Nicht zwingend. Für bezahlte Anzeigen auf Instagram und Facebook brauchst du keinen TikTok-Kanal. Wenn deine Azubis Lust haben, selbst Videos zu machen, kann ein eigener Kanal aber viel bewirken. Ein halbherzig geführter Kanal schadet eher.
Dürfen meine Azubis in den Videos mitmachen?▾
Ja, wenn sie es freiwillig tun und schriftlich einwilligen, bei Minderjährigen zusätzlich die Eltern. Niemand sollte sich gedrängt fühlen. Das ist ein allgemeiner Hinweis und keine Rechtsberatung.
Wie erreiche ich Abiturienten und Studienabbrecher?▾
Mit einer eigenen Ansprache. Sie interessieren sich für Perspektiven nach der Lehre: Meister, Techniker, duales Studium, Betriebsübernahme. Sie sind meist volljährig und lassen sich über Instagram gut erreichen.
Ersetzt Social Media die Berufsmesse und den Schulbesuch?▾
Nein, es ergänzt sie. Wer dich auf der Messe kennengelernt hat, schaut danach auf dein Profil. Und wer dein Video gesehen hat, kommt eher an deinen Stand. Beides zusammen wirkt stärker als eines allein.
Was, wenn sich viele melden, die nicht passen?▾
Das gehört dazu. Mit zwei, drei Fragen zu Schulabschluss und Wunschberuf sortierst du vor. Ein Praktikum zeigt dann schneller als jedes Zeugnis, ob jemand handwerkliches Geschick und Interesse mitbringt.














